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WohnMobil
Was wurde untersucht und mit welchem Ziel?

In gemeinschaftlichen Wohnprojekten und innovativen Wohnungsunternehmen entstehen derzeit viele neue Angebote, Dienstleistungen und Aktivitäten zur gemeinsamen Nutzung von Autos, Fahrrädern, Geräten, Räumen oder Freiflächen. Derartige innovative Ideen ermöglichen einerseits eine bessere Auslastung und Nutzung, andererseits mehr Teilhabe und nachbarschaftliches Miteinander. Bislang ist jedoch unklar, inwiefern solche Ansätze tragfähig und übertragbar sind. Im Projekt „Innovative Wohnformen und Mobilitätsdienstleistungen“ (WohnMobil) ging es darum, Konzepte für die Planung und Umsetzung gemeinschaftlicher Mobilitäts- und Wohndienstleistungen sowie Flächennutzungen zu untersuchen und auf ihre ökonomische Tragfähigkeit sowie ihre ökologischen und sozialen Wirkungen hin zu bewerten.

Wichtige Ergebnisse

Die mittels einer transdisziplinären und partizipativen Vorgehensweise entwickelten gemeinschaftlichen Mobilitätsdienstleistungen und der Multifunktionsraum stärkten die Gemeinschaft und führten zu hohem gemeinschaftlichem Engagement und Nachbarschaftshilfe. Siehatten sie verkehrsvermeidende Wirkung führten zu einer stärkeren Nutzung des Umweltverbundes und zu einer effizienteren Flächennutzung. Zugleich wirkten die Mobilitätsdienstleistungen für Ausleiher*innen kostensparend (gegenüber dem Eigenbesitz) und führten dazu, dass weniger Fläche für Parkflächen nötig ist, was eine Reduzierung von Baukosten ermöglicht. Die zentralen Projektergebnisse wurden in zehn Botschaften zusammengefasst, die sich an interessierte Bewohner*innen, Wohninitiativen, Wohnungsunternehmen sowie Netzwerke, Kommunen und Fördergeber richten. Die Botschaften zeigen, wie der Transfer und die Verbreitung gemeinschaftlicher wohnbegleitender Dienstleistungen gelingen kann.

Zentrale Erkenntnisse für Politik und Praxis

Wohnungsunternehmen und Wohninitiativen, die solche Dienstleistungen etablieren wollen, sollten gemeinsam die Ziele für solche Angebote definieren. Dabei ist es wichtig, dass sich Bewohner*innen und Entscheidungsträger gleichermaßen dafür engagieren. Moderierte Planungsprozesse unterstützen und entlasten die Akteur*innen. Wichtig ist es auch, sowohl die Kompetenzen der Beteiligten aktiv zu nutzen als auch externes Praxiswissen einzubeziehen. Damit die Dienstleistungen erfolgreich sein können, ist zu berücksichtigen, dass Anschubinvestitionen sichergestellt und laufende Ausgaben berücksichtigt werden.
Praktische Erkenntnisse und Tipps zu allen untersuchten Dienstleistungen – vom Carsharing und Lastenrad-Sharing über Gemeinschaftsgärten bis zu Repair-Cafés und Gemeinschaftswerkstätten – haben die Projektmitarbeitenden in Factsheets zusammengestellt (siehe unten).

Zahlen, bitte

An den empirisch untersuchten Fallstudien werden die Potenziale gemeinschaftlicher wohnbegleitender Dienstleistungen deutlich – zwei Beispiele:
- Emissionsminderung: Alle Nutzer*innen des Multifunktionsraums verlegten ihre Fitnessaktivitäten von einem externen Studio in den Gemeinschaftsraum. Vorher fuhren alle mit dem Auto zum etwa zwei Kilometer entfernten Studio (einfache Strecke). Nach einer vereinfachten Rechnung und der Annahme, dass die Bewohner*innen in 48 Wochen des Jahres im Schnitt 2,5 Mal in das Fitnessstudio gegangen wären ein im Verbrauch durchschnittliches Auto nutzen, ergibt sich eine Reduktionsminderung von insgesamt knapp 87 kg CO2 pro Jahr.
- Kostenreduzierung und Flächenversiegelung: Den Bewohner*innen mit dem gemeinschaftlichen Mobilitätsangebot gelang es durch das Teilen von Fahrzeugen, den von der Kommune gesetzten Stellplatzschlüssel stark zu unterschreiten. Statt der baurechtlich 71 geforderten Pkw-Stellplätze besteht nurmehr ein Bedarf von 31 Stellplätzen.

Selbst aktiv werden

Zahlreiche praxisorientierte Factsheets mit Tipps, wie sich Carsharing oder Gemeinschaftsgärten für Wohnprojekte realisieren lassen, stehen hier zum Download bereit: www.wohnmobil-projekt.de/publikationen.